Warum die beste Fachkraft nicht automatisch zur besten Führungskraft wird
Wir befördern Menschen für das, was sie gestern geleistet haben, und wundern uns, dass sie morgen ins Stocken geraten.
Der beste Verkäufer wird Vertriebsleiter.
Der beste Spezialist wird Abteilungsleiter.
Die erfahrenste Fachkraft bekommt „noch ein Team dazu“.
Logisch? Vielleicht.
Klug? Nicht immer.
Denn eine Fachkraft wird für ihr Können geschätzt.
Eine Führungskraft wird an etwas anderem gemessen: andere zu besseren Leistungen zu bringen.
Das ist keine weitere Sprosse auf derselben Leiter.
Das ist ein anderer Beruf.
Und genau dort entsteht das Beförderungsparadox.
Wir belohnen Menschen für ihren Erfolg in dem einen Beruf und erwarten danach, dass sie in einem anderen Beruf von selbst erfolgreich sind.
Die beste Fachkraft sieht den Schritt zur Führungskraft oft als Anerkennung. Als Wachstum. Als reizvolle Herausforderung.
Doch wenn die neue Rolle Verhalten verlangt, das nicht zu ihren Antrieben passt, wird Führung keine Energiequelle. Dann wird sie zu einer täglichen Korrektur dessen, was jemand von Natur aus tut.
Und das kostet Energie. Die Führungskraft. Und das Team.
Jede Person bringt ihre eigene Mischung an Antrieben in die Führungsrolle mit. Unter Druck kann hilfreiches Verhalten in hinderliches Verhalten umschlagen.
Rote Tatkraft kann zu Rechthaberei werden.
Blaue Sorgfalt kann zu Kontrolle werden.
Gelbe Vision kann zu richtungslosem Loslassen werden.
Dasselbe Verhalten, das in der alten Rolle eine Stärke war, kann in der neuen Rolle plötzlich zur Falle werden.
Eine Untersuchung von Benson, Li und Shue im Quarterly Journal of Economics, gestützt auf Daten von fast 40.000 Vertriebsmitarbeitenden in 131 Unternehmen, zeigt genau das: Die besten Verkäufer wurden häufiger befördert, erwiesen sich danach aber nicht automatisch als die besten Führungskräfte.
Dennoch ist die Geschichte nicht so einfach wie: „Befördert also nicht die beste Fachkraft.“
Denn auch das Gegenteil stimmt.
Eine Führungskraft, die das Fach nicht versteht, gerät ebenfalls ins Stocken. Wer nie selbst verkauft hat, versteht den Druck, die Kundschaft, den Widerstand und die Realität der Arbeit oft nicht ausreichend. Ein Team spürt das sofort.
Auch dafür gibt es Belege. Artz, Goodall und Oswald untersuchten Daten von rund 35.000 Beschäftigten und fanden, dass das Fachwissen der vorgesetzten Person einer der stärksten Indikatoren für Arbeitszufriedenheit ist.
Genau deshalb befördern Organisationen häufig die beste Fachkraft. Das ist nachvollziehbar.
Aber es löst das Problem nicht. Es verschiebt das Problem.
Die Lösung liegt in der Kombination.
Eine gute Führungskraft muss nicht die beste Fachkraft sein. Sie muss genug vom Fach verstehen, um glaubwürdig zu sein, und den neuen Beruf des Führens ernsthaft erlernen wollen.
Das beginnt mit drei Fragen:
Welches Verhalten verlangt diese Rolle von mir?
Welches Verhalten zeige ich von Natur aus?
Und welches Verhalten muss ich bewusst entwickeln?
Gute Führung beginnt also nicht mit einem Titel.
Sie beginnt mit dem Blick auf die Passung von Rolle, Verhalten und Antrieben.
Der Schritt von der Fachkraft zur Führungskraft ist keine Belohnung für gestern.
Er ist eine Entscheidung für morgen.
Und deshalb lautet die Frage nicht: Wer verdient eine Beförderung?
Die Frage lautet: Wer passt am besten zur neuen Rolle?
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