Kultur ist ein häufig gehörtes Wort, wenn ich Workshops über individuelle Antriebe und Verhalten gebe. Wo Menschen zusammenarbeiten, entsteht von selbst eine Kultur. Meist passen wir uns unbewusst aneinander an, sodass ein festes und erkennbares Muster entsteht. Das ist auch gut so. Sonst würde Zusammenarbeit zu einer sehr schwierigen Angelegenheit. Dabei wusste schon Charles Darwin, dass nicht die Stärksten oder Klügsten überleben, sondern diejenigen, die am besten mit veränderten Umständen umgehen können. Das gilt für Einzelne, aber auch für Teams und sogar für ganze Organisationen.
Verhalten übertreiben
Wenn Mitarbeitende sich einander anpassen, ohne ihr authentisches Selbst aus den Augen zu verlieren, entstehen in der Regel die besten Ergebnisse. Zugleich lauert hier jedoch eine Gefahr: Gibt es innerhalb eines Teams zu viele ähnliche Persönlichkeiten, kann das zu übertriebenem Verhalten führen. So wird ein handlungsorientiertes Team oft noch mehr unternehmen, wenn die Ergebnisse hinter den Erwartungen bleiben. Kurz innezuhalten und mit kreativem Blick zu prüfen, wie man klüger vorgehen könnte, wäre dann eine Option. Was man ebenfalls regelmäßig sieht: Teams, die wachsen wollen, stellen Gleichgesinnte ein. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit übertriebenen Verhaltens weiter, während die Erfolgsaussichten der Organisation gerade dadurch sinken können.
Also nur noch Vielfalt?
Nein. Dass es innerhalb von Organisationen mehrere Subkulturen gibt, ist zum Teil durchaus positiv. Denken Sie einmal darüber nach. Es ist logisch, dass beispielsweise eine Finanzabteilung andere Persönlichkeiten und Qualitäten erfordert als eine Vertriebsabteilung. Anders gesagt: Fragen Sie einmal in Ihrer eigenen Organisation, ob eine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung die Rolle mit jemandem aus dem Vertrieb tauschen möchte. Oder umgekehrt. Meist fühlen sie sich in einer anderen Subkultur nicht wirklich am richtigen Platz. Ein Kulturprogramm nach dem Prinzip one size fits all wird nie wirklich erfolgreich sein und kostet häufig mehr Energie, als es einbringt.
Kultur fortwährend anpassen
Die letztverantwortliche Person in einer Organisation steht daher vor einer dauerhaften Aufgabe. Soll die Organisation langfristig erfolgreich sein, muss sie fortwährend die richtige Balance suchen zwischen zu vielen Mitarbeitenden mit vergleichbarer Persönlichkeit und zu vielen Mitarbeitenden mit nicht vergleichbarer Persönlichkeit. Kultur ist also etwas ausgesprochen Bewegliches. So etwas wie die Kultur einer Organisation gibt es denn auch nicht. Auch nicht, indem man alle Subkulturen zusammenzählt. Was es sehr wohl gibt: die am besten passende Kultur zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb einer Abteilung oder eines Teams.
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